Asheville (North Carolina) – Reiseziel für Art Deco Fans, Kunstliebhaber und Naturfreunde

Zeugen der Blütezeit Ashevilles: Rathaus (rechts) und Gerichtsgebäude wurden 1928 im Art Deco Stil fertiggestellt. Alle Fotos: Ziehres

Als ich das erste Mal von Asheville hörte, lebte ich bereits seit mehr als einem Jahr in den USA, und zwar in relativer Nähe der Stadt, die im Bundesstaat North Carolina liegt. Wohin in den Herbstferien – diese Frage stellte ich damals einem Freund und seine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Asheville. Er muss die Fragezeichen in meinen Augen gesehen haben, denn er hob zu einer Erklärung an: Asheville liegt in den Blue Ridge Mountains, direkt hinter den Smoky Mountains – zumindest von unserem damaligen Standort aus gesehen – und ist ein bei Amerikanern sehr beliebtes Reiseziel, vor allem im Herbst. Die Herbstfärbung in den Blue Ridge Mountains ist alleine eine Reise wert. Dazu gesellen sich eine vielfältige Kunstszene, eine architektonisch interessante Innenstadt und der Publikumsmagnet schlechthin: Biltmore. Doch widmen wir uns zuerst den Sehenswürdigkeiten der Stadt, die in den 1920er Jahren ein Anziehungspunkt für die Reichen und Berühmten, allen voran F. Scott Fitzgerald, Thomas Edison und Henry Ford, war.

Grove Arcade

Einer der führenden Marktplätze der Nation

Unser Rundgang startet eher zufällig an der Grove Arcade, denn dort gibt es freie Parkplätze. Die Grove Arcade hat kürzlich ihren 10. Geburtstag gefeiert. Doch diese Zahl erweckt den falschen Eindruck. In 2002 wurde die historische Einkaufspassage nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wiedereröffnet. Die eigentliche Eröffnung war 1929, zwei Jahre nach dem Tod ihres Bauherren E.W. Grove. Bis zum 2. Weltkrieg entwickelte sich die Grove Arcade zu einem der führenden Marktplätze der Vereinigten Staaten. Der Pharmaproduzent Grove hat in der Stadt einen bis heute bleibenden Eindruck hinterlassen. Neben dem historischen Einkaufzentrum, das heute Boutiquen, Galerien und Restaurants beheimatet, ließ er das Grove Park Inn bauen. Das Hotel entstand nach dem Muster einer Lodge, die Grove im Yellowstone Park gesehen hatte, und ist noch heute Heimat einer bedeutenden Sammlung kunsthandwerklicher Dekorationselemente.

Art Deco vom Feinsten: die S & W Cafeteria in der Innenstadt Ashevilles

Art Deco Metropole des Südostens – neben Miami Beach

Bereits bei der ersten Fahrt durch die Innenstadt Ashevilles fallen Gebäude im Art Deco Stil ins Auge. Die Stadt im Herzen der Blue Ridge Mountains beheimatet die größte Ansammlung von Art Deco-Gebäuden im Südosten, von Miami Beach einmal abgesehen.  Dass die historische Bausubstanz erhalten blieb, ist der Armut der Bevölkerung infolge der Wirtschaftskrise im Jahr 1929 zu verdanken. Es fehlte  das Geld für eine städtebauliche Erneuerung. Als die Zeit stehen blieb in Asheville war die boom town  Heimat der Vanderbilts und ein Mekka für junge, aufstrebende Architekten, die den Fußspuren ihrer Meister folgten. Zeugen der blühenden Zeiten sind das Rathaus und direkt daneben das Buncombe County Courthouse. Das Gebäudeensemble wurde 1928 fertiggestellt. Die S&W Cafeteria, die First Baptist Church und die Asheville High School zählen zu den Entwürfen des Architekten Douglas Ellington wie Rathaus und Gericht.

Abstecher in den Montford Historic District

Touren von den historischen Stadtteilen bis zum flippigen Art District

Alle Facetten der Stadt zeigen sich während einer Tour mit einem der Trolleys. Sie führen durch den Montford Historic District, der reich ist an verspielten Eigenheimen im Queen Ann-Stil, und vorbei am Grove Park Inn Resort, wo sechs US-Präsidenten und ungezählte Celebrities abgestiegen sind. Die Rundfahrten erschließen auch den River Arts District, in dem sich Künstler, Studios und Galerien etwas abseits der geschichtsträchtigen Stadtteile angesiedelt haben. Stopps gibt es unter anderem am Pack Square mit dem Asheville Art Museum und in der Nähe der Basilica of St.Laurence mit der gefliesten, ovalen Kuppel, der größten freistehenden ihrer Art in den USA.

Thomas Wolfe Memorial

Asheville hat seine eigenen ‚Buddenbrooks‘

An der Route der Trolleys liegt auch das Thomas Wolfe Memorial. Der berühmteste Sohn Ashevilles und einer der großen amerikanischen Literaten des 20. Jahrhunderts veröffentlichte im Jahr 1929 einen Roman mit dem Titel ‚Look Homeward, Angel!‘ Ihn diesem Werk erkannten sich die Bürger der Stadt, in der Wolfe aufgewachsen ist und die er  im Buch Altamont nennt, auf ähnliche Weise wieder wie die Lübecker in Thomas Manns ‚Buddenbrooks‘. Das viktorianische Haus der Familie Wolfe gilt heute als eines der berühmtesten Wahrzeichen der amerikanischen Literatur.

Shoppen und bummeln wie früher in Historic Biltmore Village

Während eines Ausflugs nach Historic Biltmore Village wird der Besucher zurück in die Niederungen des Kommerzes geholt. In dem historischen Dorf, das in den 1890 vor den Toren von George Vanderbilts Biltmore Estate angelegt wurde, lässt es sich bummeln und einkaufen wie in alten Zeiten. Von Bäumen gesäumte, schmale Straßen mit Backsteingehwegen verbinden die historischen Häuschen, in denen Boutiquen, ein Tea Room und der unvermeidliche, ganzjährig geöffnete Christmas Shoppe angesiedelt sind.

Historic Biltmore Village bietet viele Einkaufsmöglichkeiten.

Ein Blick auf die Klimatabelle zeigt, dass Asheville nicht nur im Herbst oder zur Weihnachtszeit ein angenehmes Reiseziel ist. Selbst im Hochsommer wird es, bedingt durch die Lage in den Blue Ridge Mountains, nicht sehr heiß und im Winter nicht übermäßig kalt. Die Herrschaften werden diesen Umstand bereits in den Jahren um 1900 geschätzt haben.

Mehr Informationen:
exploreasheville.com
wolfememorial.com
ashevilletrolleytours.com
grovearcade.com
biltmorevillage.com
ashevilleguidebook.com

blueridgeheritage.com

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